Fin de Siecle ?(!)

Die Ahnung eines untergehenden Zeitalters – wie klingt sie? Stefan Zweig schreibt in „Die Welt von gestern“: „Denn es war kein Jahrhundert der Leidenschaft ... es war eine geordnete Welt mit klaren Schichtungen und gelassenen Übergängen, eine Welt ohne Hast. Der Rhythmus der neuen Geschwindigkeiten hatte sich noch nicht ... auf den Menschen übertragen.“ Die Kunst, von einem vermögenden Bürgertum getragen, erfüllte Träume und war doch voller Ahnungen.

Ein Medium wie Gustav Mahler wurde geschüttelt vom Ausdruckswillen kommender Bestialitäten. Die folgenden 50 Jahre sollten den moralischen Rücksturz eines ganzen Kontinents bedeuten und doch auf der anderen Seite Platz für die Moderne machen. Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges – von keinem gewollt, mit Begeisterung angefangen, unentschieden gefochten und gefährlich - auftrumpfend beendet – war man vom Sieg des humanen Kompromisses überzeugt. Große Teile der gebildeten Gesellschaft lebten für Malerei, Musik und Literatur, deren Protagonisten waren die Prominenz des Alltags – gefeiert, verehrt, manchmal beneidet. Der Aufschwung maß sich nicht in Zahlen, sondern in neuen Museen, Theatern, Festen und einer ornamental -überschwänglichen Architektur. Diese Zeit ist das Fundament dessen, was wir heute als Touristen bestaunen: in Wien, in Paris, in Barcelona aber auch in Leipzig, Berlin oder London. Nach dem Rückzug der Aristokratie war die Kultur beim Volk angekommen: am Tage ging man einer Beschäftigung nach und abends in die Oper. Für den jüdischen Teil der Gesellschaft DAS Elixier ihres Lebens – ohne deren Liebe, Erfolg und Geld gäbe es all das nicht. Auseinandersetzungen fanden statt – aber mit Niveau. Man diskutierte erbittert (aber nicht verbittert!) – und ging anschließend zum gemeinsamen Souper.

Auf der anderen Seite verstanden sich die Künstler aber auch als Mahner gegen Degeneration, und Missbrauch der neuen Möglichkeiten. Charles Darwin, Siegmund Freud standen Pate bei manchem Libretto. Die Götterdämmerung Richard Wagners war das bürgerliche Parabelspiel des kapitalistischen Unterganges. Schon ahnte man, dass das Geld – immer leichter von immer wenigeren angehäuft – den Verfall von Kultur auf reine Zivilisation, später deren barbarische Rücknahme bedeuten kann.

Selbst für unsere schnelllebige Zeit ist die Kulmination der Errungenschaften, Ereignisse, Anekdoten, die immense soziale Umwälzung der Gesellschaft, die Abdankung tausendjähriger Gewissheiten, gepaart mit der radikalen Modernisierung des Alltags durch Strom, Telefon, Auto und Bahn, Versicherung, Medizin und Demokratie (last but not least!) schlicht unvorstellbar.

Was wäre nun die Zeit allein, ohne dass ihr Klang noch immer auf den Bühnen der Welt einen gewichtigen Ton angäbe? „Ich fühle Luft von anderen Planeten...“ heißt es im zweiten Quartett von Arnold Schönberg. Mehr muss kaum gesagt werden, so sehr spricht die Musik des Fin de Siecle für sich. Es ist gut, dass es Dinge gibt, die in der Kunst, ganz besonders in der Musik, mit der größten Wahrheit gesagt werden können.

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